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Europameisterschaften in Aserbeidschan? Liegt das denn überhaupt in Europa? Häufig hörte man im Vorfeld der diesjährigen EM solche und ähnliche Fragen. Insbesondere den Medien war nicht ganz leicht zu vermitteln, dass der Austragungsort wirklich stimmt. Das Kaukasus-Land liegt am Westufer des Kaspischen Meeres und hat knapp 8 Millionen Einwohner. Man spricht Aseri und Russisch, zahlt mit “Manat” und “Gepik”, fast 90% der Bevölkerung sind muslimisch (62% Schiiten, 26% Sunniten), Volksgruppen sind neben den Aseri auch Russen, Armenier und andere. Man kann das Land nur sehr bedingt als demokratisch bezeichnen, die Präsidentenwahlen wiesen zahlreiche Unregelmäßigkeiten auf und wurden von großen Teilen der Bevölkerung boykottiert. Es gibt einen gefährlichen politischen Konflikt um die Enklave Bergkarabach, der schon mehrfach militärisch eskalierte. Große Teile der Bevölkerung Aserbeidschans leben unterhalb der Armutsgrenze. Lediglich die großen Erdölvorkommen im kaspischen Meer machen das Land wirtschaftlich stark, wovon auch die Regierung maßgeblich profitiert und wodurch das Land internationalen Einfluss ausüben kann.
Nun, ob es auch wirtschaftliche Erwägungen waren, welche die Europäische Turnunion (UEG) veranlasste, die EM 2007 nach Aserbeidschan zu vergeben, sei dahingestellt. Der Wirtschaftlichkeit der meisten teilnehmenden Nationen hat der Austragungsort jedenfalls keinen Gefallen getan: allein durch die Reisekosten wurden die Etats der nationalen Verbände mehr als geschröpft. Aus deutscher Sicht fehlte für die Beschickung wenigstens der Weltcup- und Grand-Prix-Serien am Ende eine deutlich fünfstellige Summe, die anderweitig aufgebracht werden musste!
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Für die Deutsche Nationalmannschaft stand die diesjährige EM unter sehr schwierigen Vorzeichen. Zum einen musste man auf die derzeitige Top-Gymnastin Johanna Gabor (TSV Schmiden) verzichten, die immer noch an ihrem mehrfachen Bänderriss im Sprunggelenk laborierte. Zum anderen musste man aus der ausgesprochen undankbaren “C-Gruppe” starten, eine Konsequenz aus der Entscheidung der damaligen Cheftrainerin, an der vorangegangenen EM gar nicht teilzunehmen. 10 Nationen starten in der A-, weitere 10 in der B-Gruppe. Aus der C-Gruppe zu starten bedeutet: sehr ungünstige Wettkampfzeiten, mehr oder weniger ohne Publikum und mit der hohen Wahrscheinlichkeit auf Platzierungen unterhalb von Rang 20 in der Nationenwertung. Alles in allem eine außerordentlich ungünstige Ausgangslage.
So hieß das erste Ziel der Deutschen Nationalmannschaft, sich wenigstens innerhalb der C-Gruppe ganz nach oben zu turnen, denn die ersten beiden Teams der Gruppe rücken bei der nächsten Team-EM (in 2 Jahren) in die B-Gruppe auf. Auch wenn der Wettkampf alles andere als fehlerfrei verlief, wurde dieses wichtige Ziel erreicht: Deutschland kam hinter Georgien auf Platz 2 innerhalb der Gruppe.
01)
113,350 Georgien (qualifiziert für Gruppe
B in 2009)
02) 109,850 Deutschland (qualifiziert
für Gruppe B in 2009)
03) 108,050 Portugal
04) 103,500 Zypern
05) 103,475 Großbritannien
06) 97,575 Norwegen
07) 97,475 Moldawien
08) 94,750 Kroatien
09) 92,600 Belgien
10) 86,250 Litauen
Auch in der Nationenwertung insgesamt war das Ergebnis für Deutschland in Ordnung: waren doch Plätze ab 21 abwärts zu erwarten (s.o.), landete das Team mit sehr wechselnder Qualität der Vorträge immerhin auf Platz 16. Team-Europameister wurde wie erwartet Russland vor der Ukraine und Gastgeber Aserbeidschan. Griechenland und Österreich schafften den Aufstieg in die A-Gruppe 2009.
01) 142,450
Russland
02) 137,925 Ukraine
03) 133,425 Aserbeidschan
04) 131,700 Weißrussland
05) 127,400 Israel
06) 126,275 Bulgarien
07) 118,175 Spanien
08) 116,450 Griechenland
09) 116,250 Österreich
10) 115,475 Estland
.....
16) 109,275 Deutschland
.....
29) 86,250 - - -
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Ziel erreicht und Ziel verpasst: Deutschland qualifizierte sich für die B-Gruppe bei der WM 2009. Jedoch schaffte keine deutsche Gymnastin den Einzug in die Einzel-EM 2008 in Turin! Links: Klaudia Wittmann (TSG Neu-Isenburg) (Foto: Martin Hangen) Rechts: Lisa Ingildeeva (TSV Schmiden) (Foto: Thomas Schütte) |
Trotz der Höherqualifikation für die nächste Team-EM muss man das Abschneiden der deutschen Mannschaft jedoch insgesamt leider als enttäuschend bezeichnen. Team-Chefin Birgit Guhr: “Wir hatten sehr viele Fehler und Verluste und nicht im entferntesten eine Chance, unter die ersten 20 Einzelgymnastinnen zu kommen.” Und Trainerin Krylenko: “Lisa zum Beispiel beendete ihre Reifenübung ohne Gerät. Aber in eine anspruchsvolle Übung muss man auch große Risiken einbauen. Das kann dann natürlich auch schiefgehen. Je größer der Schwierigkeitsgrad einer Übung, desto höher auch die Gefahr von Fehlern.”
Die hohe Fehlerquote war bitter für das deutsche Team, denn nur die besten 20 Gymnastinnen qualifizieren sich für die Teilnahme an der Einzel-EM 2008 in Turin (Italien).
Die Instabilität der Übungen des deutschen Teams zeigte sich auch in den extrem unterschiedlichen Plätzen in den (inoffiziellen) Listen pro Einzelgerät:
Lisa Ingildeeva zeigte eine sehr überzeugende Bandübung und erreichte damit Rang 13, die Keulen ergaben trotz des Schlussfehlers immerhin noch Rang 20, die Keulenübung jedoch misslang vollständig und es gab nur Rang 50 unter den insgesamt 60 Teilnehmerinnen.
Klaudia Wittmann hatte das beste Ergebnis mit den Keulen (Rang 26), gefolgt vom Band (35.), dem Seil (37.) und dem Reifen (40.).
Daria Stolbin erreichte mit ihrer Bandübung Rang 34.
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| letzte Änderung: 12. Februar 2008 | Copyright © 2007-2008 Ulrich M. Mehringer, Thomas Schütte |