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gelungene Premiere: Karolina Raskina (TSV Schmiden) (Foto: Bernd Thierolf) |
Karolina Raskina, gerade erst altersbedingt in die "Meisterklasse" aufgerückt, ist bei ihrem ersten internationalen Wettkampf der höchsten Kategorie, dem Grand-Prix-Turnier in Brno (Tschechische Republik), eine ausgezeichnete Premiere gelungen.
Circa 300 Zuschauer verfolgten am Samstag den Mehrkampf, welcher sich bei einer überschaubaren Anzahl von 17 Teilnehmerinnen ausgesprochen zuschauerfreundlich gestaltete: nicht einer dieser Strapazen (für die Zuschauer, aber auch für alle aktiv Beteiligten), bei denen dreißig, vierzig oder gar mehr Athletinnen je vier Übungen zu absolvieren haben und bei dem der interessierte aber fachfremde Zuschauer zumeist irgendwann genug gesehen hat und gar nicht mehr bis zum Ende, bis zur Siegerehrung, bleibt. Zudem war zwar ein Teil der Weltspitze da, was das Turnier attraktiv machte, aber nicht wie so oft die ganze Palette unschlagbarer Osteuropäerinnen, die es allen anderen Teilnehmern zuweilen unmöglich macht, vordere Plätze zu erreichen. So war der Grand Prix in Brno super attraktiv, spannend und mitreißend bis zum Schluss, es kam nicht ein Hauch von Langeweile auf...
Das alles interessierte Karolina und ihre Delegation nicht so sehr, vielmehr wollte man einen sauberen und stabilen Wettkampf abliefern, wenn sich Karolina erstmals in der internationalen Weltspitze vorstellt. Karolina hatte in der Auslosung den allerletzten, siebzehnten Startplatz erhalten, was sicher vorteilhaft war; mit der einzigen Ausnahme, dass sie gerne mit ihrer derzeitigen Paradeübung, den Keulen begonnen hätte, so aber mit dem Seil beginnen musste.
Einige Eindrücke aus den vier Mehrkampf-Durchgängen:
Aliya Garaeva (AZE) mit den Keulen temporeich, sehr ausdrucksvoll, stets lächelnd. Guter Einstieg, verspricht einen guten Wettkampf für sie. / Stela Sultanova (BUL) leistet sich mit dem Band leider zu viele Fehler. / Auch Marina Spekht (RUS) beginnt mit einigen kleinen Seil-Patzern. / Großer Fehler bei Ljubow Charkashyna (BLR): der Reifen verlässt die Wettkampffläche, auch die Gymnastin muss ganz raus! / Irina Risenson (ISR) startet mit dem Reifen etwas wacklig, ein kleiner Verlust, strahlt Unsicherheit aus, noch nicht locker genug. / Olga Kapranova (RUS) beginnt mit den Keulen klassisch-dramatisch, spektakulär, allerdings auch ein kleiner Verlust: eine Keule bleibt mehrere Sekunden lang am Boden liegen. / Caroline Weber (AUT) turnt mit dem Band sehr sauber, zeigt alle vorgesehenen Elemente. / Julietta Cantaluppi (ITA) beginnt mit dem Band, hat einen kleineren Geräteverlust, die Übung macht einen etwas ungelenken, "eckigen" Eindruck. / Karolina Raskina turnt ihre allererste Übung in einem internationalen Wettkampf der höchsten Kategorie: Seil. Dem Zuschauer erschien die Übung vielleicht noch ein wenig verhalten - der Respekt vor dem Classement war Karolina anzusehen. Dennoch kam sie äußerst sicher durch. Karolina: "Das war die beste öffentliche Aufführung meiner Seilübung, seitdem ich diese habe. Ich bin sehr zufrieden."
Anna Gurbanova (AZE) mit dem Reifen sehr temporeich, sehr interessante Choreographie zu spanischer Gitarrenmusik, etwas wenig Ausdruck. / Gabriela Hoferová (CZE) mit den Keulen recht ausdruckslos, Elemente nicht ausgeturnt, zwei große Verluste. / Aliya Garaeva wirkte mit dem Band etwas unsicher, hatte einen Verlust, konnte gerade eben noch einen Knoten vermeiden. / Stela Sultanova macht ihrem Namen alle Ehre und turnt Seil zu einer Musik, die in einen arabischen Harem zu versetzen schien. / Marina Spekht mit dem Reifen zu einem Klavierkonzert, dramatisch, tolle, sehr individuelle Elemente, voll auf sie zugeschnitten, viel Persönlichkeit. / Ljubow Charkashyna (Keulen) sehr sportlich, mit großer Amplitude, könnte aber mehr Ausstrahlung haben. / Petra Macalova (CZE) begann mit dem Reifen vielversprechend, aber nach einem Geräteverlust lief dann gar nichts mehr. / Irina Risenson (Keulen) mit sehr spektakulärer Ausgangspose, jetzt auch mit sehr viel Ausdruck und Personality! Tolle Übung einer sehr sympathisch wirkenden Gymnastin! / Olga Kapranova mit einem kleinen Fehler zu Beginn, das Band hatte sich verhakt. Zum "Lied der Taiga" temporeiche Elemente, die zum Teil nicht mehr der Schwerkraft, Drehkraft und Fliehkraft zu entsprechen scheinen! / Carolina Weber mit dem Seil wie man sie oft sieht: ihr Ding ist nicht das höchste Risiko, dafür turnt sie ihre Elemente blitzsauber aus, man kann alles werten. / Karolina Raskina hat mit dem Reifen nur einen ganz winzigen Fehler (beim Spagatstand fängt sie den Reifen nicht, für den Bruchteil einer Sekunde liegt er am Boden), ansonsten zeigte sie eine tolle Übung.
Marina Spekht (Keulen) gibt die "Lächelmaus", was sehr sympathisch rüberkommt, zeigt tolle Drehungen, eine super Übung! / Ljubow Charkashyna (Band) mit sehr guter Körpertechnik, allerdings sichtbar mit sich selbst beschäftigt und dadurch zu wenig Ausstrahlung. / Irina Risenson (Band) dagegen fast kokett, mit viel Ausdruck - Klasse! / Olga Kapranova (Seil) in der Körpertechnik kaum zu übertreffen, diesmal aber sehr (!) nachlässig in der Gerätehandhabung, wirkte lustlos. Würde man von einer Gymnastin ihrer Klasse eigentlich nicht erwarten. / Johanna Mitrosz (POL) zwar mit einem kleinen Keulenverlust, aber mit sehr guter Körpertechnik und ebenso guten Ständen. / Monika Mickova (Seil) mit mehreren großen und viel zu langen Verlusten. / Karolina Raskina mit ihrer derzeitigen Lieblingsübung, den Keulen, alles läuft gut und kommt beim Publikum hörbar gut an. Scheinbar auch im Kampfgericht, denn sie erhält mit 16,325 Punkten eine hohe, aber verdiente Wertung.
Aliya Garayeva zeigt mit dem Seil ihre weitaus beste, sehr ausdrucksvolle Übung. / Stela Sultanova diesmal mit etwas fragwürdigen Drehungen und Ständen und mit einem zu lange dauernden Keulenverlust. / Marina Spekht mit dem Band zu einem Pariser Tango, wirkte nicht ganz passend, aber auch hier wieder tolle eigene Elemente und hohes Risiko. / Neta Rivkin (ISR) mit den Keulen mehrere unnötige Verluste. / Irina Risenson bestätigt ihre bisherigen guten Übungen auch mit dem Seil. Eine super Gymnastin! / Olga Kapranova: auch mit dem Reifen einige unnötige Kleinigkeiten drin, für manchen Geschmack zeigt sie zu viele überdehnte Stände und Drehungen in Folge - es gibt auch noch andere Elemente! / Caroline Weber ist mutig: zu den schnellen Keulen eine sehr langsame Musik. Mal was anderes - warum nicht? / Karolina Raskina bringt auch die abschließende Bandübung gut rüber und erhält wiederum über 16 Punkte. Man kann wirklich von einem gelungenen Einstand für Karolina sprechen. Mehrkampfergebnis: Platz 12 der 17 Teilnehmerinnen. Mehr, als das Team sich für die Premiere ausgerechnet hatte. Danke, Karo!
Zitat DTB-Teamchefin Birgit Guhr: "Karolina hat heute einen recht guten Einstand bei den Erwachsenen gegeben und ihre Sache sehr ordentlich gemacht. Sie hat sich im internationalen Vergleich mit stabilem Programm präsentiert und sieht gut aus in so einem Spitzenfeld. Zu Beginn war ihr der Respekt anzumerken und sie war mit Seil und Reifen ein wenig nervös. Doch sie hat sich dann im Wettkampfverlauf gesteigert und eine sehr gute Keulenübung gezeigt, die nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Kampfrichterinnen ankam. Damit kam sie auf Rang 9 und ist nur knapp am Finale vorbeigerutscht. Schade, aber so oder so macht uns dieser Wettkampf optimistisch für die Zukunft!"
In den Gerätfinals erreichte Olga Kapranova drei Siege, musste nur mit dem Band ihrer Teamgefährtin Marina Spekht den Vortritt lassen, die mit den anderen Geräten jeweils Silber gewann. Die restlichen Medaillen gingen an Irina Risenson (2. Band, 3. Seil), Ljubow Charkachyna (3. Keulen) und Aliya Garaeva (3. Reifen).
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| letzte Änderung: 08. Juni 2008 | Copyright © 2008 Ulrich M. Mehringer, Thomas Schütte |